Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Diabetes nicht nur mein Leben bestimmt, sondern auch das Leben der Menschen um mich herum. Freunde, Familie, Partner – alle sind irgendwie mit betroffen, auch wenn ich es gar nicht will. Und genau das ist für mich die größte Belastung: die Angst, anderen mit meiner Krankheit zur Last zu fallen.
Der ständige Begleiter
Diabetes Typ 1 ist wie ein unsichtbarer Rucksack, den ich nie absetzen kann. Egal, ob ich feiern gehe, im Urlaub bin oder einfach nur einkaufen möchte – mein Kopf ist nie frei. Immer mit dabei: die Gedanken an Blutzuckerwerte, Insulin, Kohlenhydrate, mögliche Hypos.
Für mich ist das Alltag, aber für andere sieht es von außen oft anstrengend und kompliziert aus. Und manchmal spüre ich, wie es sie verunsichert. Dann frage ich mich: „Nehme ich gerade zu viel Raum ein? Mache ich es anderen schwerer, mit mir zusammen zu sein?“
Beziehungen auf die Probe gestellt
In Beziehungen wird diese Frage besonders laut. Ein Partner sollte sich eigentlich um Nähe, Vertrauen und gemeinsame Pläne kümmern können – und nicht ständig um meine nächste Unterzuckerung. Trotzdem passiert genau das: Ich merke, wie Menschen anfangen, auf mich aufzupassen. Wie sie besorgt nachfragen, ob alles okay ist. Wie sie sich Sorgen machen, wenn ich plötzlich still werde oder blass aussehe.Pusteblume
Und ehrlich gesagt: Manchmal fühle ich mich dadurch klein und schwach. Ich will nicht, dass meine Krankheit die Rolle übernimmt, die eigentlich mir gehört. Ich will nicht der „Kranke“ sein, der Rücksicht braucht, während alle anderen das Leben unbeschwert genießen können.
Freundschaften und soziale Momente
Auch in Freundschaften ist es nicht immer leicht. Ein spontanes Treffen? Für die anderen vielleicht nur eine WhatsApp-Nachricht entfernt. Für mich bedeutet es oft: kurz rechnen, ob mein Insulin reicht, ob ich Traubenzucker dabeihabe, ob ich es schaffe, ohne Komplikationen durch den Abend zu kommen.
Ich sage selten, wie viel Aufwand wirklich dahintersteckt, weil ich niemanden mit meinen Sorgen belasten möchte. Aber innerlich merke ich: Das kostet Kraft. Und manchmal auch Nähe.
Die Unsichtbarkeit der Belastung
Das Schwierige am Diabetes ist, dass er unsichtbar ist. Von außen sehe ich gesund aus. Niemand erkennt sofort, wie viel Planung, Disziplin und Unsicherheit in meinem Alltag steckt. Das macht es leichter, so zu tun, als wäre alles normal – aber gleichzeitig auch schwerer, ehrlich zu zeigen, wie anstrengend es wirklich ist.
Ich will stark wirken, unabhängig, so wie jeder andere. Doch oft bedeutet das, dass ich meine Sorgen herunterschlucke. Dass ich nicht sage, wie viel Angst mir eine Hypo mitten in der Nacht macht. Dass ich lache, obwohl ich gerade innerlich kämpfe.
Mein Wunsch: Balance finden
Ich weiß, dass mein Umfeld mich nicht als Belastung sieht – zumindest sagen sie es mir so. Trotzdem bleibt in mir dieser innere Druck, möglichst unauffällig zu sein, keine Umstände zu machen, niemandem Sorgen aufzubürden.
Aber ich merke auch: Wenn ich alles für mich behalte, entferne ich mich von den Menschen, die mir wichtig sind. Dann lasse ich sie nicht teilhaben – und genau das schafft eine neue Distanz.
Vielleicht ist das die größte Herausforderung: die richtige Balance zu finden. Offen genug zu sein, damit andere verstehen, was in mir vorgeht. Und gleichzeitig stark genug, um mir selbst nicht ständig wie ein Klotz am Bein meiner Mitmenschen vorzukommen.
Ein ehrliches Fazit
Diabetes belastet nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Beziehungen – egal ob zu Partnern, Freunden oder Familie. Und das ist manchmal schwerer auszuhalten als jede Hypo.
Ich versuche, Rücksicht zu nehmen, nicht zu nerven, stark zu wirken. Aber vielleicht ist es am Ende genau das, was die anderen von mir gar nicht erwarten. Vielleicht wünschen sie sich gar nicht die perfekte Fassade, sondern einfach die ehrliche Version von mir – mit allen Schwächen, Sorgen und Ängsten.
Und vielleicht ist das der einzige Weg, wie mein Diabetes weniger zur Last wird: indem ich aufhöre, ständig so zu tun, als wäre er keine.

