Ich lebe mit Diabetes und spritze mehrmals am Tag Insulin. Das nennt man intensivierte Insulintherapie oder einfach ICT.
Dabei benutze ich zwei Arten von Insulin:
- Basalinsulin – das wirkt lange und gleichmäßig
- Bolusinsulin – das wirkt schnell und nur für kurze Zeit
Ich habe gemerkt: Damit mein Blutzucker gut eingestellt ist, muss ich die richtige Balance zwischen Basal und Bolus finden. Das war am Anfang gar nicht so einfach – aber mit der Zeit habe ich gelernt, worauf ich achten muss.
đź§© Was ist eigentlich der Unterschied?
🔹 Basalinsulin – mein Grundbedarf
Das Basalinsulin sorgt dafür, dass mein Blutzucker zwischen den Mahlzeiten und in der Nacht stabil bleibt. Es deckt meinen Grundbedarf an Insulin – also das, was mein Körper braucht, auch wenn ich nichts esse.
Früher dachte ich, es sei egal, wann ich das spritze – aber ich habe gelernt, wie wichtig der richtige Zeitpunkt und die richtige Menge sind.
🔹 Bolusinsulin – für mein Essen
Das Bolusinsulin spritze ich zu den Mahlzeiten oder wenn mein Blutzucker zu hoch ist. Es hilft, die Kohlenhydrate aus dem Essen gut zu verarbeiten.
Je nachdem, was ich esse (z. B. Brot, Nudeln, Obst), brauche ich mehr oder weniger Bolusinsulin.
⚖️ Warum die Balance so wichtig ist
Ich habe schnell gemerkt: Wenn das Verhältnis von Basal zu Bolus nicht stimmt, spielt mein Blutzucker verrückt.
- Zu viel Basalinsulin: Ich falle in den Unterzucker, vor allem nachts.
- Zu wenig Basalinsulin: Mein Blutzucker steigt langsam, aber stetig an – auch ohne Essen.
- Zu wenig Bolusinsulin: Nach dem Essen schieĂźt mein Wert nach oben.
- Zu viel Bolusinsulin: Ich falle schnell in eine Unterzuckerung.
Deshalb war mir klar: Ich muss lernen, besser auf meinen Körper zu hören – und die Dosen anpassen.
🔍 So habe ich meine Balance gefunden
1. Ich habe mein Basalinsulin getestet
Ich habe an einem ruhigen Tag eine Mahlzeit ausgelassen, z. B. das Frühstück.
Dann habe ich alle 2–3 Stunden den Blutzucker gemessen – ohne zu essen.
📊 Bleibt mein Wert relativ gleich, passt mein Basalinsulin.
📉 Fällt oder steigt er stark, muss ich etwas ändern.
Ich habe das ein paar Mal gemacht – mit Unterstützung meines Diabetesteams. So konnte ich meine Basalmenge besser einstellen.
2. Ich habe meinen Bolus berechnet
Ich weiĂź inzwischen:
- Wie viel Insulin ich für 1 Kohlenhydrateinheit (KE) brauche – das ist mein KE-Faktor.
- Wie viel 1 Einheit Insulin meinen Blutzucker senkt – das ist mein Korrekturfaktor.
Mit diesen Zahlen kann ich mein Bolusinsulin gut anpassen – je nachdem, was ich esse oder wie hoch mein Blutzucker ist.
Am Anfang habe ich oft daneben gelegen – aber mit Übung wurde es leichter.
3. Ich schreibe meine Werte auf
Ich benutze eine App, um meine Werte zu dokumentieren. Ich schreibe auf:
- meinen Blutzucker (vor und nach dem Essen)
- wie viel ich gegessen habe
- wie viel Insulin ich gespritzt habe
- ob ich Sport gemacht habe, Stress hatte oder krank war
Das hilft mir, Muster zu erkennen. Ich sehe, wann mein Blutzucker öfter aus dem Ruder läuft – und kann gezielt nach Lösungen suchen.
đź’ˇ Was mir sonst noch hilft
- Mein CGM-System zeigt mir Trends – das hilft mir sehr im Alltag.
- Ich spreche regelmäßig mit meinem Diabetesteam. Zusammen schauen wir auf meine Werte.
- Ich bin geduldig mit mir selbst. Es klappt nicht immer alles perfekt – und das ist okay.
đź§ Mein Merksatz
Basal hält mich stabil – Bolus macht mich flexibel.
Wenn beides gut zusammenpasst, fühle ich mich sicherer – und mein Alltag mit Diabetes wird leichter.
📚 Meine Lesetipps
- Deutsche Diabetes Gesellschaft: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
- Mehr einfache Infos hier auf glucosecode.de
Wenn du auch mit ICT lebst: Bleib dran. Es lohnt sich, die eigene Therapie gut kennenzulernen.
Und wenn du Fragen hast – ich bin nicht allein, du auch nicht. 💙

