Als ich hörte: „Sie haben Diabetes“
Ich war Ende fünfzig, als mein Hausarzt zu mir sagte:
„Ihre Blutzuckerwerte sind zu hoch, Sie haben Diabetes.“
Ich war überrascht, aber nicht völlig geschockt. Mein erster Gedanke war, das sei wohl Typ 2, so wie bei vielen in meinem Alter. Tabletten, und vielleicht etwas Ernährung umstellen – das war’s.
Doch mein Arzt meinte: „Wir starten direkt mit Insulin.“
Das machte mich stutzig. Warum so schnell? Ich fühlte mich doch gar nicht krank.
Die zweite Diagnose: LADA
Ein paar Wochen später kam ich zu einer Diabetologin.
Sie schlug vor, Antikörpertests zu machen, um sicherzugehen, welche Form von Diabetes ich wirklich habe.
Das Ergebnis war klar: LADA – Latent Autoimmune Diabetes in Adults.
Eine Form des Typ-1-Diabetes, die erst im Erwachsenenalter auftritt.
Mein Immunsystem greift meine insulinbildenden Zellen an – genau wie bei Typ 1, nur schleichender.
Plötzlich ergab alles Sinn: die schnellen Veränderungen der Werte, die Wirkungslosigkeit von Tabletten, die überbordenden Glucosewerte.
Was LADA bedeutet
LADA ist so etwas wie ein später Typ-1-Diabetes.
Der Körper produziert anfangs noch etwas Insulin, aber das hört langsam auf.
Deshalb beginnen viele mit Tabletten, bis sie irgendwann merken: Das reicht nicht.
Bei mir war das anders – mein Körper war schon so weit, dass ich sofort Insulin brauchte. Und auch wenn mich das zuerst erschreckt hat, war es im Nachhinein genau richtig.
Mein Umgang damit
Am Anfang hatte ich große Angst vor Insulin.
Ich stellte mir vor, dass ich ab jetzt „krank“ bin, dass mein Leben kompliziert wird.
Aber schon nach den ersten Wochen merkte ich: Es wird leichter.
Meine Werte stabilisierten sich, ich fühlte mich klarer im Kopf, weniger müde, wieder ich selbst.
Heute sehe ich Insulin nicht als Einschränkung, sondern als Hilfe.
Es gibt mir Kontrolle und Freiheit zurück – und die Sicherheit, dass mein Körper bekommt, was er braucht.
Was mir geholfen hat
- Fragen stellen: Ich wollte genau verstehen, was in meinem Körper passiert.
- Geduld lernen: LADA entwickelt sich langsam – das braucht Zeit und Verständnis.
- Selbstbewusst bleiben: Ich habe Diabetes, aber er hat nicht mich.
- Austausch suchen: Gespräche mit anderen Betroffenen geben Kraft und Mut.
Was du wissen solltest
Wenn du die Diagnose Typ 2 bekommst, aber dein Arzt früh Insulin vorschlägt oder deine Werte trotz Bemühung nicht stabil bleiben – frag nach LADA.
Ein einfacher Antikörpertest kann viel Klarheit bringen.
Je früher du weißt, was wirklich los ist, desto besser kannst du reagieren – und desto stabiler bleiben deine Werte.
❤️ Mein Fazit
Ich hätte nie gedacht, dass ich mit fast 60 noch lerne, Insulin zu spritzen.
Aber genau das hat mir gezeigt, wie anpassungsfähig ich bin.
LADA hat mein Leben verändert – aber nicht zerstört.
Es hat mich gezwungen, genauer hinzusehen, auf meinen Körper zu hören und mich selbst ernster zu nehmen.
Heute lebe ich gut mit meinem Diabetes.
Nicht perfekt, aber bewusst. Und das fühlt sich richtig an.

