Der 12. April – der Tag, der mein Leben verändert hat

Oder auch: Was sind die guten Dinge, die ich durch meine Diagnose gelernt habe?

Die meisten werden sagen „Du hast eine chronische Erkrankung, wie kann das auch positives enthalten?“
Nun, schwer zu glauben, aber für gibt es diese positiven Dinge durchaus, auch wenn ich lange gebraucht habe das zu begreifen und zu akzeptieren. Darum auch die kurze Geschichte vom Tag meiner ersten Diagnose bis hin zum heutigen tage. Eine (manchmal wilde) Reise eines LADA Typ 1 Diabetikers, der gelernt hat auch mal das Gute in dieser Diagnose zu sehen. Vielleicht stimmt mir ja der/die eine oder andere zu.
Schreibt mir gerne deine Meinung dazu in das Kommentarfeld!


Es gibt diese Momente, die sich festsetzen. Nicht laut, nicht dramatisch inszeniert – aber sie bleiben.
Für mich ist das der 12. April, 9:43 Uhr.

Ich sehe die Situation noch ziemlich klar vor mir. Zwei Jahre ist das jetzt her. Die Diagnose kam, noch ohne klare Einordnung, ob Typ 1 oder Typ 2. Und dann diese erste Insulininjektion. Kein großes Drumherum. Ein Satz, eine Entscheidung – und plötzlich war mein Leben ein anderes.

Was in mir vorging, lässt sich schwer in einzelne Gedanken sortieren. Es war eher ein gleichzeitiges Durcheinander aus Fragen, Unsicherheit und einer Angst, die ich so vorher nicht kannte. Damals hatte ich keine Vorstellung davon, was da eigentlich auf mich zukommt.

Rückblickend waren die ersten Wochen vor allem eines: überwältigend. Mein Alltag bestand plötzlich aus Zahlen. Blutzuckerwerte, Insulineinheiten, Kohlenhydrate. Dinge, die vorher schlicht keine Rolle gespielt hatten. Mein Körper hatte funktioniert, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Und genau dieses Selbstverständliche war auf einmal weg.

Ich hatte oft das Gefühl, daneben zu liegen. Der Körper reagierte unberechenbar. Mal zu hoch, mal zu niedrig. Es fühlte sich an wie ein permanentes Auf und Ab, ohne erkennbare Logik. Ich musste lernen, etwas zu verstehen, das ich vorher nie hinterfragt hatte. Und immer wieder kam diese eine Frage hoch: Wird sich das irgendwann normal anfühlen?

Mit der Zeit hat sich etwas verändert. Nicht plötzlich, eher schleichend. Ich habe angefangen zu verstehen, was in meinem Körper passiert. Technologie hat mir dabei enorm geholfen. Mein Sensor hat mir zum ersten Mal sichtbar gemacht, was vorher unsichtbar war. Ich konnte beobachten, wie mein Blutzucker auf Essen reagiert, auf Bewegung, auf Stress.

Was vorher ein Rätsel war, wurde langsam zu etwas, das ich einordnen konnte. Nicht perfekt, aber ausreichend, um ein Gefühl dafür zu entwickeln. Ich habe gelernt – nicht aus Interesse, sondern weil ich musste. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Diabetes zwingt einen dazu, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Aber es geht eben nicht nur um Technik, Werte und Berechnungen. Diabetes ist auch etwas sehr Persönliches. Es hat viel mit Geduld zu tun. Mit Akzeptanz. Und genau das sind die Dinge, die mir nicht immer leichtfallen. Es gibt Tage, da läuft es einfach nicht rund. Tage, an denen man tief durchatmen muss und sich sagt: Heute war nicht perfekt – und das ist okay.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir diesen Weg nie ausgesucht. Aber er hat mir trotzdem etwas mitgegeben. Ich habe gelernt, genauer hinzuhören – auf meinen Körper, aber auch auf mich selbst. Ich gehe anders mit Problemen um als früher, vielleicht ein Stück ruhiger. Und ich nehme kleine Erfolge bewusster wahr.

Was mich selbst manchmal überrascht: Stärke fühlt sich oft gar nicht stark an. Sie entsteht leise, im Alltag. In Momenten, die niemand sieht. Und manchmal merke ich erst im Nachhinein, dass ich stärker geworden bin – auch wenn sich das noch nicht immer so anfühlt.

Heute, zwei Jahre später, ist Diabetes ein Teil meines Lebens. Nicht der Mittelpunkt, aber immer dabei. Manchmal anstrengend, oft nervig – und ja, gelegentlich auch einfach zu viel. Aber gleichzeitig hat es mich verändert. Vielleicht nicht komplett, aber spürbar.

Der 12. April hat für mich eine andere Bedeutung bekommen. Es ist nicht mehr nur der Tag der Diagnose. Es ist auch ein Tag, der mich daran erinnert, was alles möglich ist. Was man lernen kann. Was man aushalten kann.

Und vor allem, dass ein Leben mit Diabetes trotzdem ein gutes Leben sein kann.

Der Weg hierher war nicht immer leicht. Aber ich gehe ihn. Und ich gehe ihn weiter. Nicht allein, sondern mit den Menschen, die mir wichtig sind. Und mit dem Gefühl, dass es da etwas gibt, wofür sich dieser Weg lohnt.

Beitrag auf sozialen Medien teilen:

Facebook
WhatsApp
Email
X

Hinweis:

GlucoseCode bietet keine medizinische Beratung.
Die Inhalte dieser Website dienen ausschließlich der Information über technische und andere allgemeine Informationen im Diabetesmanagement.
Sie ersetzen nicht die individuelle Beratung durch Ärzt*innen oder medizinisches Fachpersonal.
Bei gesundheitlichen Fragen oder zur Therapieanpassung wende dich bitte immer an deine behandelnde Praxis.