Implantierbare künstliche Bauchspeicheldrüse: Wie sie die Diabetes-Versorgung verändern könnte

Technologie für Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickelt sich rasant weiter. Eine besonders spannende Idee sind implantierbare künstliche Bauchspeicheldrüsen. Sie könnten den Alltag von Menschen mit Diabetes grundlegend verändern.

Was ist eine implantierbare künstliche Bauchspeicheldrüse?

Im Unterschied zu klassischen Insulinpumpen, die außen am Körper getragen werden, würde eine implantierbare Version direkt im Körper sitzen. Ein kleines Gerät wird unter die Bauchhaut gesetzt und liefert Insulin dort, wo auch eine gesunde Bauchspeicheldrüse es tun würde – in den Bauchraum (intraperitoneal).

Das hat zwei große Vorteile:

  • Insulin wirkt 4- bis 5-mal schneller, weil es dort ins Blut kommt, wo der Körper es am effektivsten nutzt.

Das bedeutet weniger Insulin wirkt lange nach einem Essen weiter, was Schwankungen reduziert.

Warum ist das wichtig?

Heute nutzen viele Menschen Insulinpumpen oder hybride Closed-Loop-Systeme (kombiniert mit CGM-Sensoren). Diese helfen bereits sehr stark, indem sie den Blutzucker automatisch regulieren. Aber sie sind außerhalb des Körpers und haben noch Grenzen, etwa:

  • Manche Insuline wirken langsam, was späte Unterzuckerungen oder verzögerte Reaktionen nach Mahlzeiten bedeuten kann.

Systeme müssen regelmäßig mit Sensoren, Klebestellen und externen Teilen gewartet werden. Eine implantierbare Lösung könnte diese Hürden verringern.

Wie funktioniert so ein implantierbares System?

Die neue Technologie, zum Beispiel von Portal Diabetes, nutzt ein kleines, scheibenförmiges Gerät, das unter die Haut gesetzt wird. Eine dünne Leitung führt das Insulin direkt in den Bauchraum. Dort erreicht es schneller das Blut und wirkt natürlicher. Alle paar Monate wird das Reservoir medizinisch nachgefüllt.

Das System soll:

  • eine große Menge Insulin speichern, die Monate hält,
  • sichtbare externe Komponenten überflüssig machen,
  • die mentale Belastung verringern, weil weniger tägliche Pflege nötig ist.

Wo stehen wir heute?

Die Idee der implantierbaren künstlichen Bauchspeicheldrüse gibt es schon seit Jahrzehnten, erste Geräte wurden bereits in den 1970er Jahren getestet. Die neue Generation ist deutlich kleiner und moderner. Sie steckt aber noch in der Entwicklung – sie ist noch nicht auf dem Markt und wird voraussichtlich erst in einigen Jahren verfügbar sein.

Was bedeutet das für uns Diabetiker?

Wenn so ein System kommt, könnte es helfen:

Insulin schneller und natürlicher wirken zu lassen
Schwankungen besser zu vermeiden
Weniger tägliche Wartung und externe Geräte zu nutzen

Aber:

⚠️ Es braucht noch Zeit, bis es sicher zugelassen wird.
⚠️ Medizinische Eingriffe gehören dazu (Einsetzen & Nachfüllen).
⚠️ Nicht jeder wird sofort dafür geeignet sein.


🧠 Fazit

Die implantierbare künstliche Bauchspeicheldrüse ist kein fertiges Produkt – aber eine sehr spannende Aussicht auf die Zukunft der Diabetes-Versorgung. Wenn sie einmal kommerziell verfügbar ist, könnte sie die Art und Weise, wie wir Insulin kontrollieren, näher an die natürliche Bauchspeicheldrüse heranbringen und den Alltag mit Typ-1-Diabetes erleichtern.

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