Meine 3 größten Fehler im Umgang mit meiner Diabetes

1️⃣ Meinen Blutzucker zu schnell „richtig“ machen

Wenn mein Blutzucker nach dem Essen stieg, konnte ich kaum stillhalten.
Ich sah auf meinem Sensor 180 oder 200 – und dachte:
„Das Insulin wirkt nicht, ich muss korrigieren.“

Also spritzte ich etwas nach. Nur ein bisschen.
Eine Stunde später fiel der Zucker zu stark.
Dann kam die Hypo, dann Traubenzucker – und danach wieder ein Anstieg.

So entstand das, was viele von uns kennen: Insulin-Stacking.
Ich habe zu früh nachgespritzt, obwohl das erste Insulin noch gar nicht fertig wirkte.

Was ich gelernt habe:
Insulin braucht Zeit. Der Körper reagiert träge.
Ich warte heute mindestens zwei Stunden, bevor ich nachkorrigiere.
Ich prüfe Trends statt Einzelwerte.
Und wenn ich merke, dass ich nervös werde, versuche ich mir zu sagen:
🧘‍♂️ „Nicht schneller reagieren, sondern klüger.“


2️⃣ Kohlenhydrate falsch geschätzt

Ich dachte früher: „Kohlenhydrate sind Kohlenhydrate.“
Aber das stimmt natürlich nicht.

Ein Glas Saft lässt den Blutzucker in Minuten steigen.
Ein Teller Vollkornnudeln braucht dagegen ewig.
Und Pizza? Viele von uns kennen dieses ‚dark Rabbithole‘ nur zu gut Die ist immer für eine Überraschung gut..

Mein Fehler:
Ich habe zwar gezählt, aber nicht verstanden, wie schnell oder langsam diese Kohlenhydrate wirken.

Das führte zu typischen Mustern:

  • Zu viel Insulin bei langsamen KH → Hypo nach zwei Stunden
  • Zu wenig Insulin bei schnellen KH → Hyper nach 30 Minuten

Heute mache ich es anders:
🍽️ Ich schaue, welche Art von Kohlenhydraten ich esse.
📱 Ich prüfe, wie mein Blutzucker danach verläuft.
💉 Ich teile den Bolus oder nutze Dualbolus, wenn das Essen lange wirkt.

So habe ich gelernt, mein eigenes Muster zu erkennen.
Und das ist Gold wert – besser als jede App.


3️⃣ Zu ungeduldig mit mir selbst

Ich wollte immer perfekte Werte.
Wenn mein Blutzucker zu hoch war, fühlte ich mich schuldig.
Wenn ich in eine Hypo rutschte, hatte ich Angst.

Diese Ungeduld war mein größter Gegner.
Ich reagierte emotional statt logisch – und das machte alles schlimmer.

Mit der Zeit habe ich verstanden:
Diabetes lässt sich nicht „gewinnen“.
Es ist kein Wettbewerb, sondern ein tägliches Gleichgewicht.

Heute versuche ich, respektvoller mit mir umzugehen.
Wenn ein Wert nicht passt, sage ich mir:
„Okay, heute war’s nicht optimal – morgen probiere ich’s anders.“

Das nimmt Druck raus. Und der Zucker bleibt tatsächlich stabiler, wenn ich ruhiger bleibe.


Diese drei Fehler haben mich viel gelehrt:

FehlerFolgeMeine Lösung
Zu frühe KorrekturenInsulin-Stacking & Hypos2 Stunden warten, Trend beobachten
Falsche KH-EinschätzungHypo/Hyper nach MahlzeitenKH-Art beachten, Bolus anpassen
Ungeduld & FrustGlukose-AchterbahnRuhig bleiben, Selbstmitgefühl üben

Heute weiß ich:
👉 Geduld bringt bessere Werte als Perfektion.
👉 Erfahrung schlägt jede Formel.
👉 Fehler sind keine Niederlage – sie sind Training.

Mein Diabetes ist kein Feind.
Er ist ein Lehrer, der mich jeden Tag erinnert:
Ich darf langsam sein. Ich darf lernen. Und ich darf unvollkommen sein.

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