Im Oktober 2026 hat Senseonics den Start der ersten Studie am Menschen für sein neues CGM-System Freedom gemeldet. Der Sensor sitzt wie beim Eversense 365 unter der Haut, soll aber ohne Sender auf der Haut auskommen und seine Werte direkt per Bluetooth ans Smartphone schicken. Ausgelegt ist er für ein Jahr Tragedauer. Erhältlich ist Freedom noch nicht, es ist ein Prüfprodukt.
So funktioniert Eversense 365
Nach Angaben des Herstellers ist Eversense 365 das einzige CGM, dessen Sensor ein ganzes Jahr im Körper bleibt. Ein Arzt oder eine Ärztin setzt ihn unter die Haut. Darüber sitzt bisher ein abnehmbarer Sender, der mit einem Pflaster auf der Haut klebt, den Sensor mit Strom versorgt und die Werte weitergibt. Der Sender kann außerdem am Körper vibrieren, auch wenn das Handy außer Reichweite ist. Kalibriert wird per Fingerstich, laut Hersteller nach Tag 14 meist einmal pro Woche. In Europa hat das System seit Januar 2026 die CE-Kennzeichnung.
In der Zulassungsstudie ENHANCE mit 110 Teilnehmenden lag die mittlere Abweichung zum Laborwert (MARD) bei 8,8 Prozent. Je kleiner dieser Wert, desto genauer misst der Sensor.
Was bei Freedom anders ist
Freedom nutzt dieselbe Messtechnik wie Eversense 365. Neu sind eine eingebaute Batterie und ein Bluetooth-Modul im Sensor. Weil der Sensor selbst Strom hat und selbst funkt, entfällt der Sender auf der Haut. Das Unternehmen will CGM damit praktisch unsichtbar machen.
Vor dem Start am Menschen testete Senseonics im zweiten Quartal 2026 mehrere Antennenformen und mehrere Stellen für das Implantat. Über rund sieben Wochen und mehr als 18.500 Datenpunkte kam bei der bevorzugten Antenne jede Übertragung innerhalb der Zieldistanz an. Wie groß diese Distanz ist, steht nicht in der Mitteilung. Meiner Einschätzung nach sagt eine solche Quote aus einem Vortest noch wenig darüber, wie zuverlässig die Verbindung im Alltag läuft, mit Bewegung, Schlaf und dem Handy in der Hosentasche.
Was die Studie klären soll
Es ist eine frühe Machbarkeitsstudie, englisch First-in-Human. Sie soll zeigen, ob das System sicher ist und technisch funktioniert, vor allem ob die Funkdaten beim Menschen durch Haut und Fettgewebe ankommen. Zur Genauigkeit der Messwerte steht in der Mitteilung nichts.
Läuft die Studie gut, will Senseonics 2027 eine Zulassungsstudie beginnen und Freedom 2028 auf den Markt bringen. Beides sind Ziele des Herstellers. In derselben Mitteilung räumt er ein, dass Ergebnisse abweichen können und die Daten nicht zwingend für einen Zulassungsantrag reichen. Wer jetzt ein CGM braucht, bleibt bei den heute erhältlichen Systemen und bespricht die Wahl mit dem Diabetesteam.
Es bleiben zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch Offene Fragen
Beim heutigen System kommt der Vibrationsalarm vom Sender. Wie Freedom warnt, wenn kein Sender mehr da ist, steht nirgends. Gerade bei Alarmen für niedrige Werte hängt viel daran. Ebenfalls offen: Wie sich die Batterie über zwölf Monate im Körper verhält, was Freedom kosten soll und ob Krankenkassen es erstatten würden.
Das Implantat muss das Handy aus dem Gewebe heraus selbst erreichen. Verbindungsprobleme zwischen Sensor und App kennen viele aus der Community, ich habe dazu über den anhaltenden Signalverlust nach dem Libre-App-Update geschrieben. Wer seine Glukosedaten gern in Drittanbieter-Apps nutzt, fragt sich außerdem, ob und wie Freedom Daten dafür freigibt. Dazu sagt die Mitteilung nichts.
