Drittanbieter Apps für Diabetes: Was es heute gibt

Das Bild zeigt ein CGM-System zur Blutzuckermessung mit Smartphone und Smartwatch für Diabetes-Management.

Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder neue (oder auch schon ältere) Drittanbieter Lösungen gefunden die darauf abzielen das Diabetesmanagement für uns Diabetiker zu vereinfachen oder zu erleichtern. Diese Lösungen schließen die Lücken welche die offiziellen Hersteller derzeit nicht füllen wollen oder können. Natürlich werden auch die Standardlösungen welche für die CGMs angeboten auch immer weiterentwickelt, allerdings fehlen auch dort oft die entscheidenden Dinge, die dann wirklich im Alltag helfen.
Da die Zahl der Systeme die mir in den letzten Jahren ‚über den Weg gelaufen‘ sind, immer größer wurde, habe ich mich entschlossen mal ein paar der Apps hier zusammenzustellen.
Diese Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit! Ich bin mir sicher, es gibt da draußen in den unendlichen Weiten des Internets noch mehr.
Solltet ihr noch zusätzliche System / Lösungen / Apps finden, lasst es mich gerne wissen. Dann erweitere ich diese Zusammenstellung.

Zu fast jedem CGM gibt es Apps, die nicht vom Sensorhersteller stammen. Sie zeigen Werte auf der Uhr an, reichen sie an andere Programme weiter, werten sie aus oder steuern eine Insulinpumpe. Ich sortiere sie hier nach Aufgabe und verlinke jeweils die Dokumentation. Stand ist Oktober 2026. Bei inoffiziellen Apps ändert sich schnell etwas, deshalb lohnt vor dem Einsatz immer ein Blick in die verlinkte Projektseite.

Open-Source-Projekte wie xDrip+ werden von Freiwilligen gepflegt. Dexcom unterstützt xDrip laut dessen Dokumentation nicht offiziell. Einen Wechsel besprichst du am besten vorher mit deinem Diabetesteam. Und bei einer Hypoglykämie (Unterzucker) gilt unabhängig von jeder App: erst Traubenzucker, dann alles andere.

Werte anzeigen und weitergeben

Juggluco ist eine Android-App von Jaap Korthals Altes. Sie empfängt per Bluetooth Werte von Libre 2, 2 Plus, 3 und 3 Plus, vom Dexcom G7 und ONE+, vom Accu-Chek SmartGuide und von weiteren Sensoren wie Sibionics GS1, CareSens Air und Aidex X. Aktiviert man einen Libre 3 direkt mit Juggluco, braucht man laut Projektseite kein LibreView-Konto. Ein eingebauter Webserver gibt die Werte an xDrip+, Nightscout-Follower-Apps und AAPS weiter. Wer zur Abbott-App zurückwill, scannt den Sensor dort erneut. Der laufende Sensor wird dabei beendet und ein neuer gestartet.

xDrip+ ist eine Open-Source-App für Android. Den Dexcom G7, ONE+ und Stelo liest sie laut Anleitung direkt aus. Dafür muss die Dexcom-App deinstalliert sein, und xDrip+ braucht mindestens die Version 2026.06.17. Der neue G7 mit 15 Tagen Laufzeit funktioniert laut einem Nutzer im Nightly Build. Er berichtet im März 2026 allerdings, dass nach einem Verbindungsabbruch keine Daten nachgefüllt werden. Den Libre 3 liest xDrip+ nicht direkt. In einer GitHub-Diskussion heißt es, dafür gebe es keine öffentliche Schnittstelle. Der Weg läuft über Juggluco.

GlucoDataHandler (GDH) zeigt Werte auf dem Handy, in Widgets, auf Wear-OS-, Mi-Band- und Amazfit-Uhren und über die Zusatz-App GlucoDataAuto im Auto. Als Quellen nennt das Projekt unter anderem Dexcom Share, Nightscout, den Juggluco-Webserver und Benachrichtigungen von Apps wie CamAPS FX und der Dexcom-App. GDH ist keine eigenständige Wear-OS-App, es liefert Komplikationen für andere Zifferblätter. Die Nightscout-Dokumentation verweist darauf, dass Wear OS 5 keinen Code in Watchfaces ausführt, und empfiehlt deshalb GDH. Ich nutze GDH selbst mit Libre 3 und Galaxy Watch 5. Wie das aufgebaut ist, steht in meinem Beitrag zu GlucoDataHandler und DMM Watchfaces, die Grenzen beschreibe ich in Diabetesmanagement mit Smartwatches.

Auch Hardware gehört in diese Gruppe. Der Sugar Pixel ist ein kleines LED-Display für Dexcom und Libre. Ich habe ihn in den Neuigkeiten aus der Diabetestechnik vorgestellt.

Teilen und auswerten

Nightscout ist ein Open-Source-Server, auf dem Glukosewerte landen und von Followern abgerufen werden. Die AAPS-Dokumentation nennt es als Voraussetzung, sobald außer dem Haupttelefon weitere Geräte mitlesen sollen. Auch Juggluco kann Werte zu Nightscout hochladen.

Tidepool dient der Auswertung. Die AAPS-Dokumentation beschreibt es als Berichtsplattform, die sich gut in die Arbeit mit dem Behandlungsteam einfügt, aber keine Echtzeit-Follower-App ist. Loop kann seit Version 3.2 direkt zu Tidepool hochladen, die Einrichtung steht in den LoopDocs.

Open-Source-Systeme für die Insulinabgabe

AAPS, Trio und Loop steuern eine Insulinpumpe automatisch (Automated Insulin Delivery, kurz AID). Die AAPS-Dokumentation nennt sie OS-AID-Systeme, weil Gesundheitsbehörden wie die FDA sie nicht zugelassen haben. Wer sie nutzt, trägt die Verantwortung selbst. Ich gebe hier nur wieder, was die Projekte dokumentieren, keine Einstellungsempfehlungen.

AAPS läuft auf Android. Für den Dexcom G7 beschreibt die Dokumentation zu Version 3.4 mehrere Wege. Build Your Own Dexcom App (BYODA) ist dort als sehr alte Version gekennzeichnet, die sich nicht mehr aktualisieren lässt. Die gepatchte G7-App DiaKEM braucht AAPS ab 3.2.0.0 und ist für das ONE+ nicht verfügbar. Dazu kommt Juggluco ab Version 9.0. Eine deutsche Einführung gibt es ebenfalls.

Trio ist das Gegenstück für iOS. Es ging aus FreeAPS X und iAPS hervor und wird laut Dokumentation von Freiwilligen gebaut. Version 1.0 koppelt Libre 3 und 3 Plus direkt, ohne Zusatz-App und ohne Internetverbindung, trägt diese Funktion aber noch als Beta. Laut den Release-Notes kamen außerdem Eversense E3 und 365 sowie der Accu-Chek SmartGuide dazu, und der Dosieralgorithmus wurde von JavaScript nach Swift umgeschrieben. Die Entwickler weisen darauf hin, dass keine Behörde Trio geprüft hat.

Loop ist das ältere iOS-System. Seit Version 3.4 unterstützt es Libre-Sensoren, Version 3.14.0 ist in den LoopDocs beschrieben. Beim Dexcom G6 und G7 muss die Dexcom-App laut Anleitung zum Hinzufügen des CGM zusätzlich auf dem Handy installiert sein.

CamAPS FX

CamAPS FX von CamDiab ist das kommerzielle System unter den Apps. Es steuert die mylife YpsoPump. Laut Hersteller-FAQ arbeitet es mit Dexcom G6, Dexcom G7, Libre 3 und Libre 3 Plus und unterstützt Android 13 bis 16 sowie iOS 18 bis 26. mylife beschreibt auf der Seite zu myLoop, dass der Libre 3 jede Minute einen Wert liefert und der G7 alle fünf Minuten.

Die iOS-Version gibt es laut einem Erfahrungsbericht seit Mai 2025. Der G7 kam nach einer Meldung des Händlers Diashop vom 24.06.2026 hinzu. Die Zusatzfunktion Liberty ist für September 2026 in Deutschland angekündigt. Ob sie schon verfügbar ist, habe ich nicht geprüft.

Apps auf Rezept

Ärzte können in Deutschland bestimmte Diabetes-Apps verordnen (DiGA). Vitadio ist im BfArM-Verzeichnis dauerhaft aufgenommen, gilt aber nur für Typ-2-Diabetes. HelloBetter Diabetes ist ebenfalls dauerhaft aufgenommen und dort für Typ 1 und Typ 2 gelistet. Una Health ist laut diga-verzeichnis.de vorläufig aufgenommen, glucura Diabetestherapie wird dort ebenfalls geführt. Der aktuelle Status ändert sich, prüfe ihn direkt beim BfArM.

Offene Punkte

Wie es mit dem Zugriff von Drittanbieter-Apps auf Abbott-Daten weitergeht, ist offen. Die Frage habe ich in meinem Beitrag zur neuen Libre App von Abbott aufgegriffen.

Dexcom hatte laut einem GitHub-Eintrag angekündigt, die Produktion von G6-Zubehör zum 1. Juli 2026 einzustellen. Meiner Einschätzung nach verlieren Apps, die nur den G6 lesen, damit langfristig ihre Grundlage.

Nicht geprüft habe ich für diesen Beitrag Diabox, Spike (für iOS, das GitHub-Repository existiert, zur aktuellen Pflege habe ich nichts gefunden), Sugarmate, Diabetes:M, SiDiary, Glooko, mySugr sowie die Libre-Zusatzhardware Tomato und Bubble.

Quellen

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Bei gesundheitlichen Fragen oder zur Therapieanpassung wende dich bitte immer an deine behandelnde Praxis.