Ich trage meinen Freestyle Libre 2 seit nahezu 2 Jahren täglich. Und eine Frage ist mir dabei häufig schon mal durch den Kopf gegangen: Was ist eigentlich gerade mit meinen Ketonen?
Beim Libre schaue ich ständig auf die Kurve. Tendenz, Alarm, Wert. Das läuft. Aber Ketone? Die messe ich immer noch separat — mit einem kleinen Bluttest, dann pieks in den Finger, Streifen in das Gerät, warten. Ausgerechnet dann, wenn mir schon nicht gut ist und der Zucker seit Stunden hoch bleibt. Dann ist das der Moment, in dem man merkt: Eigentlich fehlt hier noch etwas.
Abbott hat das anscheinend genauso gesehen. Und letzte Woche ist es offiziell geworden.
Was genau ist der Libre Duo?
Der Libre Duo ist ein CGM-Sensor — aber kein gewöhnlicher. Er misst nicht nur Glukose, sondern gleichzeitig auch Ketone. Jede Minute. Kontinuierlich. Ohne Pieksen, ohne Teststreifen.
Das ist eine Weltpremiere. Bis jetzt gab es das schlicht nicht: einen tragbaren Sensor, der beides kann.
Es gibt ihn in zwei Varianten:
Libre Duo — bis zu 15 Tage Tragezeit, zugelassen ab 18 Jahren.
Libre Duo 10 Day — bis zu 10 Tage, und das ab 2 Jahren. Für Kinder also genauso nutzbar. Die kürzere Tragezeit soll laut Abbott klinischen Daten zufolge besser zur Aktivität von Kindern passen — der Sensor hält einfach besser die volle Zeit durch.
Gebaut ist er auf der gleichen Plattform wie der FreeStyle Libre 3. Wer den kennt, weiß: der ist winzig. Etwa so groß wie zwei übereinandergelegte Münzen. Das bleibt beim Duo auch so.
Warum ist das für Typ-1-Diabetiker so wichtig?
Ketone entstehen, wenn der Körper kein Insulin hat und anfängt, Fett zu verbrennen — das gehört zu den Grundlagen, die jeder Typ-1-Diabetiker kennen sollte. Und es ist kein seltenes Problem: das passiert beim Typ 1 schneller als man denkt. Pumpe läuft nicht richtig. Kanüle sitzt schlecht. Krankheit. Und dann steigen die Ketone still und leise an, während der Zucker bereits oben klebt.
Das Ergebnis kann eine diabetische Ketoazidose sein — kurz DKA. Ein echter Notfall, der manchmal mit dem Rettungswagen endet. Was da passiert und wie man früh reagiert, habe ich in der Kategorie Notfälle & Sicherheit schon ausführlicher beschrieben.
Das Problem bis jetzt: Ketonmessung war immer reaktiv. Man misst erst, wenn man schon Symptome hat — oder wenn der Zucker so lange hoch bleibt, dass man anfängt, sich Sorgen zu machen. Ein Urintest zeigt Ketone, die der Körper schon vor Stunden produziert hat. Ein Bluttest ist genauer, aber auch er ist nur eine Momentaufnahme.
Der Libre Duo würde das ändern. Wer die Kurve schon früh kennt — nicht nur beim Zucker, sondern auch bei den Ketonen — kann früher eingreifen. Nachkorrigieren, Insulin geben, trinken, Arzt anrufen. Bevor es zum Notfall wird.
Das ist kein theoretischer Unterschied. Das ist potenziell ein sehr praktischer.
Was ist mit Closed Loop?
Für alle, die eine Insulinpumpe mit Closed-Loop-System nutzen: Abbott hat bereits Vereinbarungen mit mehreren Pumpenherstellern angekündigt. Der Libre Duo soll sich in automatisierte Insulinabgabesysteme integrieren lassen.
Was das konkret bedeutet, ist noch nicht vollständig klar. Aber die Richtung ist interessant: Ein System, das nicht nur auf den Zucker reagiert, sondern auch auf steigende Ketone, könnte künftig ganz anders auf eine beginnende DKA reagieren als aktuelle Closed-Loop-Systeme es tun.
Wer meinen Artikel über die neue Generation von Insulinpumpen gelesen hat, weiss: die Systeme werden gerade grundlegend neu gedacht. Und wer zusätzlich noch überlegt, ob der Dexcom G8 eine Option sein könnte, sollte diese Entwicklung ebenfalls auf dem Schirm haben. Die nächsten Jahre werden bei diesen Kombinationen spannend.
Wann kommt er zu uns?
Abbott hat das CE-Kennzeichen für Europa erhalten — das ist die offizielle Zulassung für den europäischen Markt. Der Rollout in ausgewählten europäischen Ländern soll noch in diesem Jahr beginnen. Welche das konkret sind, hat Abbott noch nicht kommuniziert.
Deutschland ist nicht ausdrücklich genannt. Ob und wann der Libre Duo hier auf Rezept erhältlich sein wird oder von den Krankenkassen erstattet wird, ist offen. Das dauert nach einer CE-Kennzeichnung in der Regel noch eine Weile.
Trotzdem: Das Gerät existiert. Es hat die Zulassung. Und Abbott hat deutlich gemacht, dass Europa der erste Markt ist.
Was ich davon halte
Ich bin ehrlich: Ich finde das relevant. Nicht weil jeder CGM-Sensor automatisch ein Fortschritt ist — den Markt gibt es schon länger, und nicht jede Neuheit rechtfertigt einen Hype. Aber die Ketonmessung ist wirklich eine andere Kategorie.
Wer wie ich schon mal mit einem hartnäckig hohen Zucker aufgewacht ist und dann grübelt — liegt es am Sensor, an der Pumpe, beginnt da gerade etwas? — weiss, wie viel Kopfarbeit das ist. Und wie viel Unsicherheit. Wenn ein Gerät diese eine Frage auch noch beantworten kann, ist das nicht Marketing. Das ist tatsächlich nützlich.
Ich werde den Libre Duo weiter beobachten und hier berichten, sobald es konkrete Infos zu Verfügbarkeit und Erstattung in Deutschland gibt.

