Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Unterschied zu erkennen
Vor kurzem kam eine Kollegin mit einer Frage auf mich zu, die ich ad hoc nicht beantworten konnte:
„Wie unterscheidet sich Typ 1 von Typ 2 in der Diagnostik?“
Diese Frage hat mich beschäftigt. Denn tatsächlich gibt es Menschen, bei denen die Diagnose nicht so eindeutig ist. Vor allem, wenn man eher jung ist und keine typischen Merkmale eines Typ-2-Diabetes hat, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Deshalb habe ich hier für euch zusammengestellt, wie Ärztinnen und Ärzte genau unterscheiden, ob jemand Typ-1- oder Typ-2-Diabetes hat – ganz einfach erklärt.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Typ-1- und Typ-2-Diabetes sind zwei ganz verschiedene Erkrankungen.
- Bei Typ-1-Diabetes zerstört das eigene Immunsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren.
- Bei Typ-2-Diabetes ist der Körper zwar noch in der Lage, Insulin zu bilden – aber das Insulin wirkt nicht mehr richtig (man spricht von Insulinresistenz).
Je nachdem, welcher Typ vorliegt, ist auch die Behandlung unterschiedlich. Darum ist es wichtig, die richtige Diagnose zu stellen.
Welche Tests helfen bei der Unterscheidung?
Autoantikörper – das Immunsystem gibt Hinweise
Bei Typ-1-Diabetes richtet sich das eigene Immunsystem gegen den Körper. Es bildet sogenannte Autoantikörper. Diese lassen sich im Blut nachweisen. Besonders häufig sind:
- GAD-Antikörper
- IA-2-Antikörper
- Insulin-Antikörper
- Zinktransport-Antikörper (ZnT8)
Wenn einer oder mehrere dieser Antikörper im Blut sind, ist das ein starker Hinweis auf Typ-1-Diabetes.
Bei Typ-2-Diabetes sind diese Antikörper nicht vorhanden.
👉 Ein einfacher Bluttest kann hier also schon viel Klarheit bringen.
C-Peptid – zeigt, ob der Körper noch selbst Insulin macht
C-Peptid ist ein Stoff, der gemeinsam mit Insulin im Körper gebildet wird. Wenn man wissen will, wie viel eigenes Insulin jemand noch produziert, misst man den C-Peptid-Wert.
- Bei Typ-1-Diabetes ist dieser Wert meistens niedrig oder gar nicht nachweisbar, weil der Körper kein Insulin mehr produziert.
- Bei Typ-2-Diabetes ist der Wert oft normal oder sogar erhöht, weil der Körper versucht, die Insulinresistenz auszugleichen.
📌 Manchmal wird dieser Test auch nach dem Essen oder mit einem bestimmten Reiz gemacht – um zu sehen, wie der Körper auf Zucker reagiert.
Genetische Tests – bei seltenen Fällen
Es gibt noch eine Sonderform von Diabetes, die manchmal mit Typ-1 oder Typ-2 verwechselt wird: den sogenannten MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young).
Das ist eine vererbte Form von Diabetes, die meist in jungen Jahren beginnt. Sie ist nicht autoimmun bedingt und kommt oft familiär gehäuft vor.
Bei Verdacht auf MODY kann ein Gentest gemacht werden – das passiert aber überwiegend nur in speziellen Fällen, zum Beispiel wenn Autoantikörper fehlen, der C-Peptid-Wert gut ist, und es viele Fälle in der Familie gibt.
Wie sieht das Ganze in der Praxis aus?
Hier eine einfache Übersicht:
| Merkmal | Typ-1 | Typ-2 |
|---|---|---|
| Beginn | meist vor dem 40. Lebensjahr, oft plötzlich | meist nach dem 40. Lebensjahr, schleichend |
| Körpergewicht | oft normal oder niedrig | häufig Übergewicht |
| Autoantikörper | positiv | negativ |
| C-Peptid | niedrig oder fehlt | normal oder hoch |
| Insulin von Beginn an nötig | ja | oft erst später |
| Häufigkeit von Ketoazidose | häufiger | selten |
| Vererbung | weniger typisch | häufiger familiär gehäuft |
Was kann ich tun, wenn ich unsicher bin?
Wenn du das Gefühl hast, dass deine Diagnose nicht ganz passt – sprich mit deiner Diabetologin oder deinem Diabetologen. Es gibt gute Möglichkeiten, genauer nachzuschauen. Manchmal kann es sinnvoll sein, nachträglich auf Autoantikörper oder C-Peptid zu testen, vor allem bei ungewöhnlichem Verlauf oder jungem Alter.
Denn: Die richtige Diagnose hilft dabei, die richtige Behandlung zu finden.
Fazit
Die Unterscheidung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist manchmal gar nicht so einfach – besonders bei Erwachsenen oder ungewöhnlichen Verläufen.
Mit modernen Bluttests kann aber größtenteils schnell Klarheit geschaffen werden.
Wenn du dir unsicher bist: Nachfragen lohnt sich immer.

